🟣Plemiona Germańskie

Der Schatten des Adlers

„Eine historische Erzählung über die germanischen Stämme

Prolog: Der Sturm naht

Nordgermanien, dreihundertzweiundsiebzig nach Christus.

Der Wind peitschte über die Klippen und trug den salzigen Atem des Nordmeers heran.

Thorben, ein junger Krieger der Sachsen, stand am Rand der Steilküste, die Hände auf den Griff seines Speers gestützt.

Sein Blick verlor sich in den tobenden Wellen, während graue Wolken am Horizont ein düsteres Versprechen gaben….

In der Nacht zuvor hatte er geträumt:

Adler flogen gen Süden,

ihre Schwingen warfen Schatten über endlose Scharen von Menschen…

. War es ein Ruf der Götter? ….

Ein Omen von Krieg? ….

„Thorben!“ Die raue Stimme seines Vaters Haakon riss ihn aus seinen Gedanken. Der alte Krieger trat näher, seine grauen Zöpfe wehten im Wind, die Narben auf seinem Gesicht erzählten von Jahrzehnten des Kampfes.

„Die Ältesten rufen uns in die große Halle. Der Häuptling verlangt nach allen Kriegern.“

„Was ist geschehen, Vater?“ fragte Thorben, …

ein Schauer lief ihm über den Rücken – nicht vom Wind, sondern von Vorahnungen….

„Boten der Goten sind eingetroffen.

Sie sprechen von einer Gefahr aus dem Osten – einem Volk, das niemandem gleicht, den wir kennen.“

„Die Hunnen“, flüsterte Thorben. Sein Traum nahm Gestalt an.

Kapitel I: Die Entscheidung

In der Halle des Gotenführers Theudemar,

Die große Halle des Theudemar war erfüllt von Rauch und dem Murmeln der Versammelten. An den Wänden hingen Schilde, Jagdtrophäen – Eberköpfe, Hirschgeweihe, Wolfsfelle – und das Feuer in der Mitte loderte hell. Theudemar, Häuptling der Goten, saß auf seinem Eichenthron, verziert mit Bernstein aus dem Norden. Seine Stimme donnerte durch den Raum.

„Die Hunnen kommen!“, begann er.

„Ihre Reiter verwüsten das Land jenseits der Wolga. Sie sind zahlreich wie der Sand am Meer und grausam wie der Wintersturm.

Was tun wir?“

Athanaric, ein greiser Ratgeber mit wallendem weißen Bart, erhob sich schwerfällig, gestützt auf eine geschnitzte Holzstange.

„Ich hörte von Händlern, die vor ihnen flohen. Sie leben auf Pferden, trinken deren Blut, ihre Bogenschützen treffen Vögel im Flug. Wenn wir bleiben, sterben wir….

Wenn wir nach Süden ziehen, zur Donau, könnten wir überleben.“

Fritigern, ein jüngerer Krieger mit funkelnden Augen und dunklen Haaren, sprang auf.

„Rom ist schwach!“ rief er….

„Ihre Kaiser streiten, ihre Legionen sind zerstreut.

Wir können den Fluss überqueren und sie zwingen, uns aufzunehmen – nicht als Sklaven, sondern als Verbündete!“

Amalasuntha, die Priesterin der alten Götter, trat vor das Feuer.

Ihre Robe, bestickt mit Runen, raschelte bei jedem Schritt.

„Und unsere Götter!?“… fragte siescharf.

„Odin führt uns in die Schlacht,

Thor schützt unsere Dörfer.

Werden wir sie für römische Kreuze verraten?

Unsere Seele liegt in diesen Wäldern!“

Stille senkte sich über die Halle, nur das Knistern des Feuers war zu hören. …

Theudemar erhob sich, sein Schatten fiel wie ein düsteres Omen über die Versammelten.

„Wir lassen die Götter nicht zurück“, …sagte er fest.

„Doch wir können den Sturm nicht ignorieren.

Fritigern, du führst die Westgoten gen Süden. Verhandle mit den Römern, aber halte dein Schwert bereit….

Wir Ostgoten bleiben – sollten die Hunnen kommen, stellen wir uns ihnen entgegen.“

Fritigern nickte entschlossen, doch in seinen Augen flackerte Unsicherheit. Amalasuntha presste die Lippen zusammen, ihre Hände zitterten vor Zorn. Die Würfel waren gefallen – die Goten teilten sich, und das Schicksal Europas begann sich zu wenden.

Kapitel II: Der Fluss der Hoffnung. …

An der Donau, Dreihundertsechsundsiebzig nach unserer Zeitrechnung

Die Donau glitzerte wie ein silbernes Band unter der Sonne, eine Grenze zwischen der Welt, die sie kannten, und einem ungewissen Morgen. Fritigern stand am Ufer, umgeben von Tausenden Westgoten – Männer, Frauen, Kinder, beladen mit ihrem Hab und Gut. Auf der anderen Seite warteten römische Soldaten in glänzenden Rüstungen, ihre Speere funkelten drohend.

Neben Fritigern stand Ulfila, der gotische Bischof, der die Bibel in ihre Sprache übersetzt hatte.

Seine Stimme war leise,… aber bestimmt….

„Die Römer respektieren Stärke, aber sie schätzen Verbündete mehr. Zeig ihnen, dass wir nützlich sind.“

Fritigern trat vor und rief über das Wasser:

„Wir kommen in Frieden!….

Die Hunnen treiben uns aus unseren Landen. Im Gegenzug bieten wir unsere Schwerter, um eure Grenzen zu schützen!“

Lupicinus, der römische Befehlshaber, musterte ihn mit kaum verhohlener Verachtung.

„Ihr Barbaren dürft die Donau überqueren – unter Bedingungen!…

. Legt eure Waffen nieder!…

und eure Krieger dienen in unserer Armee. Ihr beugt euch römischem Recht.“

Fritigern biss die Zähne zusammen, doch er nickte. Es war keine perfekte Lösung, aber die Alternative war der Tod durch die Hunnen. Tage später überquerten die Westgoten den Fluss auf Booten und Flößen.

Gelvira, eine junge Mutter mit einem Säugling im Arm, blickte zum Himmel, als sie die Strömung spürte.

Ein Adler kreiste über ihnen. „Er führt uns“, …flüsterte sie ihrem Kind zu, obwohl es sie nicht verstand.

Doch die Hoffnung schwand schnell. Die Römer konfiszierten Waffen, doch schlimmer war der Hunger. Korrupte Beamte verlangten Sklaven für Brot, Kinder für einen Schluck Wasser. Die Spannungen wuchsen, und Fritigern wusste:

Der Frieden würde nicht halten.

Kapitel III: Die Schlacht von Adrianopel

Der neunte August dreihundertsiebenundsiebzig nach Christus.

Die Ebene vor Adrianopel glühte unter der sengenden Sonne. Auf der einen Seite standen die römischen Legionen des Kaisers Valens, ihre Schilde in perfekter Formation, die Adlerbanner im Wind.

Auf der anderen Seite die Westgoten unter Fritigern – einst Flüchtlinge, nun Rebellen gegen römische Unterdrückung.

Alarik, ein junger Krieger, hielt seinen Speer fest umklammert. Neben ihm stand sein Onkel Wulfrik, ein Veteran mit vernarbtem Gesicht.

„Sieh hin und lerne, Junge“,… sagte Wulfrik.

„Heute schreiben wir Geschichte.“ ….

„Haben wir eine Chance?“… fragte Alarik, seine Stimme zitterte leicht. ..

Wulfrik grinste grimmig. „Die Römer sind diszipliniert, aber arrogant:…

Valens wartete nicht auf Verstärkung – das ist unser Vorteil.“

Fritigern gab das Signal, und gotische Bogenschützen ließen einen tödlichen Pfeilhagel auf die Römer niedergehen. Die Legionen antworteten mit ihrer eigenen Salve, dann marschierte die schwere Infanterie voran.

Stundenlang tobte die Schlacht, Staub und Blut erfüllten die Luft. …

Dann kam der Wendepunkt.

Gotische Reiter stürmten aus dem Hinterhalt auf die römische Flanke ein, unterstützt von Ostgoten und Alanen, die sich dem Kampf anschlossen.

„Für die Freiheit!“

brüllte Fritigern, sein blutverschmierter Streitkolben erhoben

Die römischen Linien brachen. Valens fiel – manche sagen durch einen Pfeil, andere, er verbrannte in einer Hütte, in der er Schutz suchte. Zwei Drittel der römischen Armee wurden niedergemetzelt. Als die Sonne unterging, gehörte das Feld den Goten.

Alarik stand inmitten der Leichen, sein Atem ging schwer. Wulfrik legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Das ist erst der Anfang, Junge…

. Rom wird nie wieder dasselbe sein.“

Und er hatte recht….

Zweiunddreißig Jahre später, im Jahr 410, würde Alarik als König der Westgoten die Tore Roms niederreißen – das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein fremder Führer die Ewige Stadt eroberte.

Kapitel IV: Ein neues Zeitalter

Gallien, Jahr vierhundertsechsundachtzig nach Christus

Chlodwig, der junge König der Franken, stand auf einem Hügel und blickte über das Land, das bald ihm gehören würde. Mit zwanzig Jahren hatte er bereits das Erbe seines Vaters Childeric angetreten und brannte darauf, die fränkischen Stämme zu einen.

„Eine schöne Erde“, ….sagte Remigius, der Bischof an seiner Seite.

„Und sie wird unser sein“…,

antwortete Chlodwig entschlossen.

Wenige Tage später trafen seine Krieger bei Soissons auf die letzte römische Bastion in Gallien, angeführt von Syagrius. Die Schlacht war kurz und brutal – fränkische Wildheit besiegte römische Disziplin. Syagrius floh, wurde aber ausgeliefert und hingerichtet.

Doch Chlodwigs wahre Macht wuchs erst später. In einer verzweifelten Schlacht gegen die Alamannen rief er den christlichen Gott an:

„Gib mir den Sieg! …und ich werde getauft!“ ……..

Der Sieg kam, und Chlodwig hielt sein Versprechen. Anders als viele Germanen nahm er nicht den arianischen Glauben an, sondern den katholischen – eine Entscheidung, die ihn mit der gallorömischen Bevölkerung verband und die Grundlage für das zukünftige Frankreich legte.

Zur gleichen Zeit entstanden anderswo neue Reiche: Die Langobarden in Italien, die Vandalen in Nordafrika, die Sachsen und Angeln in Britannien. Aus dem Chaos des gefallenen Westrom wuchs eine neue Welt.

Epilog: Das Erbe

Monte Cassino, Jahr siebenhundertvierundvierzig nach Christus

Ein alter Mönch saß über ein Pergament gebeugt, seine Hände zitterten, während er die Geschichte der Langobarden abschrieb. Neben ihm saß Adalbert, ein junger Novize fränkischer Herkunft.

„Warum schreiben wir das auf, Bruder Gregor?“ …fragte Adalbert.

Der Mönch lächelte sanft.

„Weil diese Stämme – Goten, Franken, Vandalen – unsere Welt formten. Ihre Sprachen wurden zu Deutsch, Englisch, Niederländisch. Ihre Gesetze leben in unseren Gerichten weiter. Rom fiel nicht wirklich – es verwandelte sich.“

Adalbert nickte nachdenklich….

„Und ihre Götter?“

„Odin und Thor verblassten, als der katholische Glaube siegte. Doch ihre Geschichten leben in uns – in Liedern, in Namen, in unserem Blut.“

Der Mönch legte die Feder nieder und blickte aus dem Fenster auf die Hügel Italiens. ….

Die Welt hatte sich verändert, aber das Echo der germanischen Stämme hallte weiter – ein Schatten des Adlers, der über Europa schwebte.

Witamy! Zachęcamy do dzielenia się swoimi przemyśleniami i opiniami. Prosimy o szacunek dla innych uczestników dyskusji.