Magdalenen-Wäschereien: Irlands dunkles Geheimnis.
-Marina Gambold, eine der Frauen, die die Zeit in den Magdalenen-Wäschereien in Irland überlebt haben, teilte erschütternde Erinnerungen an die Zeit, in der sie dort festgehalten wurde.
Mit nur 16 Jahren kam sie in die Wäscherei – gebracht von einem Priester, nachdem sie zur Waise geworden war und kein Zuhause mehr hatte.
Ihre Erzählungen werfen ein Licht auf die brutale und erniedrigende Behandlung, die Frauen in diesen Institutionen erfahren mussten.
Eine der drastischsten Erinnerungen von Marina betrifft die Strafe, die sie für ein kleines Vergehen erhielt – das Zerbrechen einer Tasse.
Wie sie berichtete, beschloss die Nonne, die ihre Arbeit überwachte, sie eine „Lehre in Vorsicht“ zu erteilen.
Dazu band die Nonne ein dickes Seil um Marinas Hals und ließ es dort drei Tage und drei Nächte lang.
In dieser Zeit wurde sie gezwungen, vom Boden zu essen – jeden Morgen musste sie auf den Knien, ihrer Würde beraubt, ihre Mahlzeiten auf diese erniedrigende Weise zu sich nehmen.
Doch das war nicht alles: Nach jeder Bestrafung musste sie sich öffentlich entschuldigen, indem sie eine festgelegte Formel aufsagte:
„Ich bitte den allmächtigen Gott, die Heilige Jungfrau und meine Mitschwestern um Vergebung für das schlechte Beispiel, das ich gegeben habe.“
Es war ein Ritual, das nicht nur bestrafen, sondern auch ihren Geist brechen sollte.
Marina erinnerte sich auch an andere grausame Strafen – wie die Nacht, in der sie mitten im Winter auf einem verglasten Balkon eingesperrt wurde.
Einmal, nachdem sie auf den Balkon geflüchtet war – vielleicht aus Verzweiflung oder Rebellion –, schloss eine Nonne sie dort zusammen mit zwei anderen Mädchen für zwei Nächte ein.
Ohne Schutz vor der Kälte waren sie dem Erfrieren nahe. Diese Erlebnisse hinterließen tiefe Spuren in ihr, und als sie nach drei Jahren im Alter von 19 endlich entkommen konnte, fasste sie einen Entschluss:
Irland für immer zu verlassen.
–Ihre Geschichte zeigt, dass in den Magdalenen-Wäschereien körperliche und psychische Strafen zum Alltag gehörten und die Nonnen nahezu absolute Macht über die Frauen hatten.
Was Marina erlebt hat, ist nur eines von vielen Zeugnissen, die offenbaren, dass diese Institutionen anstatt Schutz und Unterstützung zu bieten, zu Orten des Leidens und der Unterdrückung wurden.
-Der Skandal um die Magdalenen-Wäschereien in Irland ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Landes.
Er brachte die brutale Realität von Gewalt, Missbrauch und sozialer Ausgrenzung ans Licht, die tausende Frauen unter der Obhut kirchlich geführter Institutionen erleiden mussten.
Diese sogenannten Asyle, benannt nach Maria Magdalena – einer biblischen Figur, die mit Reue und Umkehr assoziiert wird –, wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um angeblich „gefallenen Frauen“ wie Prostituierten oder unverheirateten Müttern zu helfen.
Doch mit der Zeit verwandelten sie sich in etwas völlig anderes: in Orte der Zwangsarbeit, Isolation und des Leidens, an denen Frauen mehr wie Gefangene als wie Schutzbedürftige behandelt wurden.
Die Magdalenen-Wäschereien existierten in Irland von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1996, als die letzte Einrichtung geschlossen wurde.
Schätzungen zufolge durchliefen etwa 30.000 Frauen diese Institutionen.
Sie kamen aus unterschiedlichen Gründen dorthin: Einige waren unverheiratete Mütter, andere Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt, und wieder andere wurden einfach als „zu schön“ oder „sittenlos“ angesehen – in den Augen ihrer Familie oder der örtlichen Gemeinschaft.
–Oft waren es junge Mädchen, die von ihren eigenen Familien, Priestern oder staatlichen Institutionen in die Wäschereien geschickt wurden
– ein Bericht aus dem Jahr 2013 zeigte, dass rund 26 % der Frauen auf staatliche Anordnung dorthin gelangten.
Das Leben in den Magdalenen-Wäschereien war ein Albtraum. Die Frauen wurden zu erschöpfender, unbezahlter Arbeit gezwungen
– sie wuschen Wäsche für Hotels, Krankenhäuser, ja sogar für das Militär und den Präsidentenpalast.
Ihr Alltag war von strengen Regeln geprägt: Schweigen, Gebet und harte körperliche Arbeit. Körperliche und psychische Gewalt waren an der Tagesordnung – Schläge, Demütigungen und das Abschneiden der Haare gehörten zur gängigen Praxis.
Einige Frauen berichteten von sexuellem Missbrauch, doch der offizielle McAleese-Bericht von 2013 konnte diese Vorwürfe nicht im großen Umfang bestätigen.
Die Bedingungen waren so unmenschlich, dass viele Frauen ihr gesamtes Leben in diesen Einrichtungen verbrachten. Nach ihrem Tod wurden sie oft in anonymen Gräbern auf dem Klostergelände beigesetzt.
Der Skandal kam 1993 ans Licht, als in Dublin – nach dem Verkauf eines Grundstücks durch eine Ordensgemeinschaft
– ein Massengrab mit den Überresten von 155 Frauen entdeckt wurde. Dieses Ereignis erschütterte die Gesellschaft und zwang die Behörden zum Handeln.
Im Jahr 2013 entschuldigte sich der irische Premierminister Enda Kenny öffentlich bei den Opfern, bezeichnete die Magdalenen-Wäschereien als eine „nationale Schande“ und versprach Entschädigungen sowie Unterstützung. Ein Regierungsbericht bestätigte, dass der Staat mit den Wäschereien kooperierte, ihnen Aufträge erteilte und das Schicksal der Frauen ignorierte.
Die katholische Kirche hingegen entzog sich weitgehend der Verantwortung und weigerte sich, finanzielle Beiträge für den Opferfonds zu leisten.-
–Der Skandal um die Magdalenen-Wäschereien ist nicht nur eine Geschichte von Gewalt gegen Frauen, sondern auch ein Beispiel für das toxische Zusammenspiel von Kirche und Staat im konservativen Irland des 20. Jahrhunderts.
Viele Überlebende schwiegen aus Scham und Angst vor sozialer Stigmatisierung, während zahlreiche ihrer Kinder
– die ihnen nach der Geburt weggenommen und zur Adoption freigegeben wurden – noch immer nach ihren Müttern suchen.
Dieses schmerzhafte Erbe hallt bis heute nach und erinnert an die Notwendigkeit, die Vergangenheit aufzuarbeiten und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
