
Das längste Konklave der Geschichte: Kardinäle eingesperrt für das Wohl der Kirche
Stellt euch vor: Eine Gruppe von Kardinälen, eingesperrt in einem alten Palast. Kein Kontakt zur Außenwelt. Das Essen wird rationiert, der Himmel über ihnen ist offen, weil das Dach abgerissen wurde. Klingt wie ein Hollywood-Film? Nein, das war die Realität im 13. Jahrhundert in der italienischen Stadt Viterbo – während des längsten Konklaves in der Geschichte der Kirche. Willkommen zu einer Geschichte voller Dramatik, Machtspiele und einer Revolution, die die Wahl des Papstes für immer verändert hat. Bleibt dran!
Viterbo 1268: Der Beginn einer Krise
Im Jahr eintausendzweihundertachtundsechzig stirbt Papst Clemens der Vierte.
Die Kardinäle versammeln sich in Viterbo, einer malerischen Stadt nördlich von Rom, um einen neuen Papst zu wählen. Das klingt nach einer einfachen Aufgabe, oder? Falsch. Was als Routinewahl beginnt, wird zu einem Albtraum, der fast drei Jahre dauert – genau gesagt 2 Jahre, 9 Monate und 2 Tage. Das ist ein Rekord, der bis heute unübertroffen ist.
Aber warum hat es so lange gedauert? Die Kardinäle waren gespalten wie nie zuvor. Die Franzosen wollten einen Franzosen auf dem Papstthron, die Italiener einen Italiener. Und als ob das nicht genug wäre, mischten sich auch noch die mächtigen Könige Europas ein – jeder mit seinen eigenen Interessen. Es gab keine klaren Regeln, keine Fristen, nur endlose Diskussionen und politische Intrigen. Die Kirche stand ohne Führung da, und die Geduld der Menschen in Viterbo war am Ende.
Verzweiflung und ein Dach weniger
Nach über zwei Jahren ohne Ergebnis kochte die Stimmung in Viterbo über. Die Bürger und der Bürgermeister – der sogenannte Podestà – hatten genug. Die Kirche ohne Papst war ein Problem für alle, und irgendetwas musste geschehen. Also trafen sie eine drastische Entscheidung: Die Kardinäle wurden im päpstlichen Palast eingesperrt. Die Türen verschlossen, der Schlüssel weggeworfen.
Doch das war erst der Anfang. Als die Kardinäle immer noch keinen Papst wählten, wurde es noch härter. Man kürzte ihre Essensrationen – erst auf eine Mahlzeit pro Tag, dann nur noch Brot und Wasser. Und jetzt haltet euch fest: Laut einigen Chroniken ließ man sogar das Dach des Palastes abreißen, sodass die Kardinäle Wind, Regen und Sonne ausgesetzt waren. Ob das stimmt? Historiker streiten sich, aber eins ist klar: Die Kardinäle waren unter Druck wie nie zuvor.
Der Durchbruch und ein neuer Papst
Die harte Linie zahlte sich aus. Am ersten September eintausendzweihundertsiebzig., nach fast drei Jahren, einigten sich die Kardinäle endlich. Und jetzt wird’s verrückt: Sie wählten keinen von sich, sondern einen Mann, der nicht einmal Kardinal war – Tebaldo Visconti. Der war zu diesem Zeitpunkt auf einem Kreuzzug im Heiligen Land und musste erst nach Italien zurückreisen, um als Gregor X. den Papstthron zu besteigen.
Visconti war ein Kompromisskandidat, aber auch ein Visionär. Er wusste, dass so ein Chaos nie wieder passieren durfte. Und genau deshalb setzte er eine der größten Reformen der Kirchengeschichte in Gang.
Die Geburt des modernen Konklaves
Eintausendzweihundertvierundsiebzig, auf dem Zweiten Konzil von Lyon, verkündete Gregor der Zehnte ein Dokument namens Ubi periculum.
– „Wo Gefahr droht“. Dieses Gesetz legte die Grundlage für das heutige Konklave. Die Regeln waren streng:
Die Kardinäle werden eingeschlossen – cum clave, „mit Schlüssel“, daher der Name „Konklave“.
Kein Kontakt zur Außenwelt.
Nach drei Tagen ohne Ergebnis gibt’s nur noch eine Mahlzeit pro Tag. Nach fünf weiteren Tagen? Nur Brot und Wasser.
Diese Regeln sollten die Kardinäle zwingen, schnell zu entscheiden und politische Spielchen zu vermeiden. Und wisst ihr was? Sie funktionieren bis heute. Wenn ihr heute den weißen Rauch über der Sixtinischen Kapelle seht, denkt an Viterbo – dort wurde das moderne Konklave geboren.
Das Erbe von Viterbo
Das längste Konklave der Geschichte ist mehr als nur eine spannende Anekdote. Es zeigt, wie aus einer Krise etwas Großes entstehen kann. Vor über 750 Jahren, in einer kleinen italienischen Stadt, wurde ein System geschaffen, das die Kirche bis heute prägt. Jedes Mal, wenn die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zusammenkommen, lebt die Erinnerung an Viterbo weiter – an eine Zeit, als Kardinäle unter Druck gesetzt wurden, um der Kirche einen Führer zu geben.
Was denkt ihr? Waren die Methoden von Viterbo gerechtfertigt, oder war das einfach nur Wahnsinn? Schreibt es in die Kommentare! Und wenn ihr mehr solcher Geschichten aus der Geschichte hören wollt, abonniert den Kanal und aktiviert die Glocke. Bis zum nächsten Mal!
